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The Yeniche Minority

Projekt von Anja Joos (Doktorandin)

Zur Bedeutung von Mobilitäts- und Aufenthaltsrechten.

Eine vergleichende Fallstudie der Situation der jenischen Minderheit in Deutschland und der Schweiz

(Arbeitstitel)

 

theyenishminority
Bildunterschrift: "Halt! Unser Land ist kein Zigeunerland". Titelbild des "Scharotl. Die Zeitung des Fahrenden Volkes", 8/1979. Mit freundlicher Genehmigung der Radgenossenschaft der Landstraße.

Das Projekt beschäftigt sich mit Angehörigen der jenischen Minderheit. Aufgrund ihrer mobilen Arbeits- und Lebensarrangements in der Vergangenheit oft „Landfahrer“ genannt, sind die meisten der vor allem in Süddeutschland, der Schweiz und im Elsass lebenden Jenischen heute sesshaft. Das „Fahren“ spielt für diese soziokulturelle Gruppe indes weiterhin auf unterschiedlichen Ebenen eine wichtige Rolle.
Die Geschichte der Jenischen ist gekennzeichnet von Ausgrenzung und Diskriminierung. In Deutschland wurden Jenische während der NS-Zeit als „asoziale Elemente“ verfolgt. In der Schweiz kam es zu staatlich organisierten Kindeswegnahmen und Sterilisationen, mit dem Ziel, sie „dem Wandertrieb zu entwöhnen“. Zur Beendigung und Bewältigung dieser Ereignisse begannen sich die Schweizer Jenischen in den 1970er Jahren zu organisieren und kämpften dafür, für dieses Unrecht Entschädigungen zu erhalten und für die Anerkennung als nationale Minderheit. 1998 hat der Bundesrat festgehalten, dass  „Fahrende“ eine nationale Minderheit in der Schweiz darstellen. Damit verpflichtete sich die Eidgenossenschaft, die Bedingungen für den Erhalt und die Ausübung der Kultur zu fördern. In Deutschland besitzen Jenische keinen gesonderten, rechtlichen Status als Minderheit und erhielten für die Verfolgung während der NS-Zeit keine Entschädigungen. Aufgrund negativer Erfahrungen sind sie oft sehr zurückhaltend mit der Preisgabe ihrer Herkunft.
Dieses Dissertationsprojekt vergleicht im Rahmen einer qualitativen Fallstudie die unterschiedlichen aktuellen politischen und rechtlichen Gegebenheiten in Deutschland und der Schweiz, um herauszufinden, welchen Einfluss diese auf das Leben Jenischer heute haben. Die plurilokale, zum Teil mobile ethnographische Forschung, findet vor allem in Zürich (CH) und Singen/Hohentwiel (D) statt, wo größere Gruppen Jenischer leben. Die explorativ angelegte Grundlagenstudie verbindet eine Analyse der Akteurs- und Regulationsebene, wobei insbesondere die Sicht der Jenischen selbst und deren eigene Erfahrung in den Blick genommen werden soll. Hierbei werden drei thematische Schwerpunkte gesetzt:

 

  • „Narrative des Ursprungs“ werden erforscht, um zu zeigen, wie in Bezug auf Jenische Wissen erzeugt und Sinn konstruiert wird, und um Deutungen, die innerhalb und außerhalb der Gruppe zirkulieren, zueinander in Beziehung zu setzen.
  • Auf der Ebene der rechtlichen Dimension werden Menschenrechte, Minderheitenschutz und Grundrechte in Bezug auf die Ausübung der mobilen Kultur, im Spannungsfeld von Mobilität und Aufenthalt, analysiert. Vor allem zwei Praxisfelder werden untersucht: die Standplatzproblematik und der Bildungszugang.
  • Mobile Lebenswelten: die rechtliche Dimension hat eine direkte Wirkung auf die Lebenswirklichkeit Jenischer und ihren Alltag. Es wird das gesamte Spektrum der Mobilität erforscht, das heißt, welche Gestalt Mobilität annimmt, wie, warum und wann sie ausgeübt wird und wie sie erfahren bzw. interpretiert wird.

 

Die Daten werden mit einer ethnographischen Untersuchung erhoben, methodisch wird vor allem mit teilnehmender Beobachtung und Interviews gearbeitet. Neben jenischen Interviewpartnern werden auch Außenstehende, wie etwa Vertreter relevanter Institutionen oder Personen, die mit Jenischen in Kontakt stehen, befragt.
 

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